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MEDIZIN: Wie ein neues Leben

Quelle: Märkische Allgemeine, Der Havelländer, 22.12.2011

MEDIZIN: Wie ein neues Leben

Heute wiegt Manfred Schwendler etwa 120 Kilo. Foto: Konrad Radon

Manfred Schwendler wiegt nach einer Magen-Verkleinerung jetzt rund 50 Kilo weniger

NAUEN/PRIORT - Wenn Manfred Schwendler früher in den Urlaub flog, reichte ihm die Stewardess vor dem Start immer einen Zusatzgurt, damit er sich überhaupt anschnallen konnte. „Das war allerdings noch eines der harmloseren Dinge, mit denen ich klarkommen musste“, erinnert sich der 52-jährige Familienvater aus Priort. Selbst die Socken und die Schuhe anziehen, mit dem kleinen Enkel Pascal im Garten Fußball spielen oder im Sommer im See schwimmen gehen – das alles konnte der zwischenzeitlich 170 Kilogramm schwere Manfred Schwendler nicht mehr.
Heute hat er seine Lebensfreude zurückgewonnen und 50 Kilogramm weniger auf den Rippen – dank einer Magen-Verkleinerungs-Operation in der Klinik Nauen. „Am 16. Mai habe ich, einfach gesagt, ein neues Leben geschenkt bekommen“, sagt er und blickt auf seinen Bauch. „Ich musste lernen, anders zu essen, aber daran habe ich mich gewöhnt.“
Die Leidensgeschichte von Manfred Schwendler begann vor etwa 15 Jahren, als der gelernte Hochseefischer nach einigen beruflichen Abstechern unter anderem in die Baubranche, bei der Deutschen Post in Berlin einen Bürojob übernahm. „Die körperliche Arbeit fiel plötzlich weg, ich habe parallel dazu mit dem Rauchen aufgehört und bin aufgegangen wie ein Kloß“, erzählt er. Aus seinen bisherigen 100 Kilo Körpergewicht wurden schnell 130, 140. Er habe zwar gut, aber nicht übermäßig viel gegessen, betont der Hobbykoch. Schwendler versuchte nahe-zu alle Diäten, die es auf dem Markt gibt. Unterm Strich sei immer ein Jo-Jo-Effekt eingetreten: zehn Kilo abgenommen, kurze Zeit später wieder 20 Kilo zugenommen. „Bei 170 Kilo, hohem Blutdruck und angegriffenen Knien hat mein Wustermarker Hausarzt gesagt: ’Wir müssen jetzt was machen’ und schickte mich in die Nauener Klinik.“
Dort war man gerade in der Phase der Einführung solcher Operationen zur Gewichtsreduzierung. Bis Manfred Schwendler schließlich auf dem OP-Tisch lag, vergingen viele Monate. Denn dem teuren medizinischen Eingriff zur Behandlung dieser Fettsuchtkrankheit vorgelagert ist ein sechsmonatiger Kurs. „Unter fachlicher Anleitung einer Ernährungsmedizinerin, eines Psychologen und einer Bewegungstherapeutin müssen die Patienten versuchen, auf herkömmlichem Wege schlanker zu werden“, erklärt Chef-Chirurg Bernd Ruschen von der Klinik Nauen. Erst wenn das nicht anschlägt, zahlen die Kassen die Operation. Manfred Schwendler verlor in Zuge dieses Kurses nur zehn Kilo. „Bezogen auf sein Gesamtgewicht von 170 Kilo war das zu vernachlässigen“, so Ruschen. Schwendler gehörte somit zur ersten Gruppe von fünf übergewichtigen Patienten, die in der Klinik Nauen mit Hilfe des Schlüssellochverfahrens operiert wurden. „Bei allen ist es gut gelaufen. Wir treffen uns regelmäßig in einer Selbsthilfegruppe, tauschen uns aus und geben unsere Erfahrungen an andere weiter“, sagt der Priorter. Mittlerweile wurden elf fettleibige Menschen operiert, drei stehen für Januar auf der Liste.
In den ersten Wochen nach dem Eingriff war der Gewichtsverlust am größten. „In den neuen kleinen Magen passt eben nicht so viel rein“, weiß Schwendler. Bestimmte Kost wie Apfelsinen und Spargel muss er weglassen. „Aber sonst esse ich alles wie früher, nur weniger“. Mittlerweile hat er sich auch daran gewöhnt, von der Roulade oder dem Steak nur zwei Happen zu essen und dann satt zu sein. Genauso wie nach einem Stückchen Schokolade. „Wenn ich mit meiner Frau ins Restaurant gehe, bestellen wir nur noch ein Hauptgericht und eine Vorspeise.“ Erfreuliche „Nebenwirkungen“ hatte die Operation. Schwendler braucht keine Tabletten mehr gegen Bluthochdruck und Diabetes. Und es gab noch einen Effekt: Er musste sich komplett neu einkleiden. „Aber dafür habe ich das Geld gern ausgegeben.“ (Von Jens Wegener)