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Kleinerer Magen, weniger Pfunde

Quelle: Märkische Allgemeine, Brandenburg/Havel, 03.12.2011

GESUNDHEIT: Kleinerer Magen, weniger Pfunde

Hausärztetag befasst sich mit Operationen bei Übergewicht

Es mutet an wie ein Trick, um das überschüssige Fett fortzuzaubern. Ausgetrickst wird der Magen, denn entweder wird er in einer Operation verkleinert, mit einem Band eingeengt oder bei der Nahrungsverarbeitung umgangen. Ehe diese schwer wiegenden Eingriffe in Deutschland erlaubt sind, müssen die Patienten erheblichen Aufwand betrieben haben – Ernährungskurse belegt, Diäten bewältigt, aktiv Sport getrieben, psychologische Gutachter an sich heran gelassen haben.
Erst wenn der übergewichtige Patient damit gescheitert ist, dürfen die Chirurgen ihm mit dem Messer zu Leibe rücken. „Ich finde es richtig, hohe Hürden aufzubauen“, sagt Chefarzt René Mantke. Der Bauchraumspezialist des städtischen Klinikums leitete kürzlich den zweiten Brandenburger Hausärztetag mit knapp 90 Teilnehmern in der Fachhochschule. Schwerpunktthema war Adipositas, krankhaftes Übergewicht.
Bernd Ruschen von den Havellandkliniken in Nauen berichtete über Operationsverfahren zur Adpositasbehandlung. In anderen Ländern Europas sind Operationen gängiger als in Deutschland. „In den USA werden sogar jährlich 300 000 Adipositas-Patienten am Magen operiert, in Deutschland sind es nur 4- bis 5000“, erläutert Chefchirurg Mantke. Anderswo werde Übergewicht eher als eine Krankheit anerkannt.
In Deutschland schafft es nur jeder fünfte sehr dicke Mensch, auf sanfte Art sein extremes Übergewicht zu verlieren. Die übrigen scheitern oder erreichen nur eine kurzzeitige Erleichterung mit anschließendem Jojo-Effekt.
Die Brandenburger Klinikum-Chirurgen operieren nicht selbst, sondern überweisen die Patienten gegebenenfalls zu den Spezialisten nach Nauen. Sämtliche Operationstechniken zielen darauf ab, dem Körper weniger Nährstoffe zuzuführen.
Das Essen rutscht schneller durch, wenn der Magen operativ aus der Nahrungspassage herausgenommen wird und der Weg im Körper nur noch 8 statt 15 Meter lang ist.
Ähnlich ist der Effekt bei Magenbändern Auch wenn der Chirurg das Organ kleiner gemacht hat, kann der Patient nicht mehr so viel Nahrung wie vorher verarbeiten. Er verliert nicht nur Gewicht, auch Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislaufschwächen, Bluthochdruck und Diabetes werden oft besser.
Doch die Operationen sind auch riskant. „Jedes Jahr sterben drei Prozent an der Operation oder den Folgen“, berichtet Professor Mantke. Weitere große Themen des Hausärztetages waren Durchfallerkrankungen und Bauchraumverwachsungen (Adhäsionen) nach Operationen. (Von Jürgen Lauterbach)